Käuferstufen: warum 93 Prozent der Käufer nie über die erste hinauskommen
Fünf Stufen mit null bis vier Prozent Rabatt, gemessen über ein gleitendes Jahr. Was die Zahlen aus dem Bestand darüber sagen, wie viel das im Alltag wirklich ausmacht.
Michael Chen
Wer auf Deutsch nach Mitgliedsstufen sucht, findet ADAC, Marriott, Sixt und Hertz. Das Wort gehört hierzulande den Reise- und Mietwagenprogrammen, und die meisten Leute bringen deren Modell im Kopf mit. Dieses hier funktioniert anders, und der Unterschied ist genau der, der im Alltag zählt.
Der Unterschied zu einem Statusprogramm
Bei einem Statusprogramm sammeln Sie in einem Qualifikationsjahr, erreichen eine Stufe und behalten sie danach für eine feste Zeit, meist ein weiteres Jahr. Es gibt einen Stichtag, und zwischen den Stichtagen passiert nichts.
Hier gibt es keinen Stichtag. Gerechnet wird über die letzten 365 Tage, gleitend, und das Fenster schiebt sich jeden Tag um einen Tag weiter. Eine Bestellung von vor dreizehn Monaten zählt heute nicht mehr, ohne dass irgendetwas zurückgesetzt worden wäre. Es gibt also keine Statusperiode, die man erreicht und dann in Ruhe ausnutzt, sondern eine Zahl, die täglich neu berechnet wird und in beide Richtungen laufen kann.
Praktisch heißt das: Eine Stufe ist keine Auszeichnung, die man sich verdient hat, sondern eine Beschreibung dessen, was in den letzten zwölf Monaten passiert ist.
Fünf Zeilen, und die erste ist eine Null
Maßgeblich ist der Netto-Zahlbetrag auf berücksichtigte Bestellungen im gleitenden Jahr. Erstattungen ziehen ihn wieder herunter.
| Stufe | Zahlung, 365 Tage | Rabatt je Bestellung |
|---|---|---|
| Lv.1 Member | ab 0 | 0 % |
| Lv.2 Bronze | ab 100 | 1 % |
| Lv.3 Silver | ab 500 | 2 % |
| Lv.4 Gold | ab 2.000 | 3 % |
| Lv.5 Platinum | ab 10.000 | 4 % |
Die erste Zeile ist die wichtigste und wird in Beschreibungen gern übergangen: Die Einstiegsstufe gewährt null Prozent. Sie ist kein Rabatt, sondern die Abwesenheit eines Rabatts mit einem Namen davor. Wer neu ist, bekommt genau nichts, und das ist so vorgesehen.
Die verbindlichen Werte stehen jederzeit im Hinweisfeld an Ihrem eigenen Kontobild, denn die Tabelle ist eine Einstellung und keine Zusage. Was hier steht, ist der Stand der letzten Prüfung.
Wie sich die Käufer tatsächlich verteilen
Hier die Zahlen, die sonst nirgends stehen. Ausgewertet wurden die bezahlten Bestellungen der letzten 365 Tage, gruppiert nach Konto.
5.323 Konten hatten in diesem Zeitraum mindestens eine bezahlte Bestellung. Davon liegen 4.955 auf Lv.1, also bei null Prozent. Das sind 93,1 Prozent. Auf Bronze oder darüber kommen 368 Konten, also 6,9 Prozent: 228 auf Bronze, 106 auf Silver, 31 auf Gold und drei auf Platinum.
Drei Konten auf der obersten Stufe. Das ist die ehrlichste Beschreibung dessen, was dieses System ist.
Daraus folgen zwei Dinge, die man wissen sollte, bevor man die Stufe in eine Rechnung einbaut. Für neunzehn von zwanzig aktiven Käufern ist der Stufenrabatt schlicht null, weshalb er als Argument für irgendetwas nicht taugt. Und selbst am oberen Ende sind es vier Prozent, was bedeutet, dass die Auswahl des Angebots jede erreichbare Stufe um ein Vielfaches schlägt. Ein Angebot, das zehn Prozent günstiger ist, ist mehr wert als jede Stufe, die Sie in einem Jahr erreichen können.
Was die Stufe nicht ist
Weil hier Genauigkeit nützlicher ist als Werbung, die Gegenliste.
- Kein Punktekonto. Es wird nichts angespart und nichts eingelöst. Der Rabatt gilt oder gilt nicht, abhängig davon, wo Sie am Tag der Bestellung stehen.
- Kein Vertrauensbeweis. Die Stufe misst Ausgaben, sonst nichts. Weder Kontoalter noch Anzahl der Bestellungen noch Bewertungen fließen ein.
- Keine bessere Behandlung im Streitfall. Ein Vorgang wird nach seinem Inhalt entschieden. Die Stufe erscheint zwar im Ticket, ändert an der Sache aber nichts.
- Kein Zugang zu anderen Angeboten. Alle Käufer sehen denselben Katalog. Es gibt keine Angebote, die erst ab einer Stufe sichtbar werden.
- Nicht dasselbe wie die Verkäuferstufe. Die Namen sind gleich, alles andere nicht: andere Schwellen, andere Vorteile, andere Berechnungsgrundlage. Was auf der Verkäuferseite gilt, steht bei den Verkäuferstufen.
Wenn Sie beides sind
Ein Konto kann beide Rollen haben, und dann greift eine Regel, die überrascht: Ausschlaggebend ist nicht die Rolle, sondern ob Sie mindestens ein veröffentlichtes Angebot haben.
Ohne veröffentlichtes Angebot wird Ihre Stufe wie bei einem Käufer gerechnet, also aus dem, was Sie gezahlt haben, auch wenn Ihr Konto formal die Verkäuferrolle trägt. Mit dem ersten veröffentlichten Angebot wechselt die Berechnung auf die Verkaufsseite. Wer die Verkäuferrolle beantragt hat und sich wundert, warum die Stufe unverändert bleibt, hat meist genau diesen Fall.
Warum eine Stufe zurückfällt
Es gibt genau zwei Gründe, und beide sind keine Strafe.
Der erste ist das gleitende Fenster: Alte Bestellungen fallen hinten heraus und werden nicht durch neue ersetzt. Der zweite sind Erstattungen, die den Netto-Betrag senken, auf dem die Einstufung beruht. Wohin eine Erstattung geht und wie sie verbucht wird, ist eine eigene Frage und in der FAQ beantwortet.
Gelöscht wird beim Zurückfallen nichts. Bestellhistorie, Guthaben und Konto bleiben unverändert, und die Stufe kommt zurück, sobald die Ausgaben im Fenster wieder darüber liegen.
Wo die Stufe auftaucht
Am eigenen Kontobild mit einem Fortschrittsring zur nächsten Schwelle, im Ticket auf beiden Seiten, und bei Bewertungen als Kennzeichen des Verfassers. Bei Verkäufern zusätzlich auf der Shop-Seite, wo sie allerdings die Verkäuferstufe zeigt und nicht die Käuferstufe, was regelmäßig verwechselt wird.
Der Ring am eigenen Bild ist die einzige Anzeige, die für Sie wirklich nützlich ist, weil sie den Abstand zur nächsten Schwelle zeigt. Angesichts der Verteilung weiter oben ist die nüchterne Empfehlung allerdings, ihn nicht zum Planungsinstrument zu machen: Der Weg von einem Prozent zu zwei ist keine Ersparnis, für die sich eine zusätzliche Bestellung lohnt.

