Ghost Follower: warum die Prüfwerkzeuge unterschiedliche Zahlen liefern
Acht von zehn deutschen Suchvorschlägen zu Fake-Followern wollen prüfen, nicht entfernen. Was ein solches Werkzeug sehen kann, was nicht, und wie Sie ohne eines auskommen.
Avery BennettEine sprachliche Beobachtung vorweg, weil sie erklärt, warum diese Seite den englischen Begriff benutzt. Das naheliegende deutsche Wort für ein Mitglied, das da ist und nichts tut, wäre Karteileiche. Sucht man danach im Zusammenhang mit Instagram, kommt nichts zurück außer Kartenlegerinnen. Die deutsche Instagram-Sprache hat für fast alles ein eigenes Wort und für dieses eine nicht.
Was gemeint ist, und wo die Grenze zum Bot liegt
Ghost Follower ist der weitere Begriff. Er umfasst jedes Konto, das in Ihrer Zahl steht und sonst nichts beiträgt, und das sind drei sehr verschiedene Gruppen:
- Automatisierte Konten. Angelegt, um Zahlen zu füllen. Reagieren nie, weil sie es nicht können.
- Verlassene echte Konten. Menschen, die Instagram nicht mehr benutzen. Reagieren nicht mehr, weil sie nicht mehr da sind. Das ist mit Abstand die größte Gruppe und die, an die niemand denkt.
- Anwesende ohne Interesse. Menschen, die die App täglich benutzen und Ihre Beiträge übergehen. Reagieren nicht, weil sie nicht wollen.
Für Ihre Zahlen wirken alle drei gleich. Für das, was zu tun ist, sind sie völlig verschieden, und darin liegt der Grund, warum die Prüfwerkzeuge auseinandergehen. Die erste Gruppe können Sie entfernen. Die zweite ist harmlos und nicht zu ändern. Die dritte ist eine Aussage über Ihre Beiträge und nicht über Ihre Follower.
Und die Gruppe, die in keiner dieser drei vorkommt und für ein deutschsprachiges Konto trotzdem genauso wirkt: echte, aktive Menschen, die kein Deutsch lesen. Warum das zählt, steht im Beitrag zu echten deutschen Followern.
Warum zwei Prüfwerkzeuge zwei Zahlen nennen
Dies ist die eigentliche Frage hinter „Check“, „Analyse“ und „Test“, und die Antwort macht das Ergebnis brauchbarer als jede einzelne Prozentzahl.
Ein solches Werkzeug hat keinen Zugang zu Instagram-internen Daten. Es sieht genau das, was ein Besucher Ihres Profils auch sieht, und es zieht daraus Schlüsse. Danach nimmt es eine Stichprobe Ihrer Follower, meist einige hundert, prüft dort einige Merkmale und rechnet das Ergebnis auf Ihre gesamte Zahl hoch.
Damit sind drei Dinge festgelegt:
- Die Merkmale sind Vermutungen. Kein Profilbild, keine Beiträge, ein sehr ungleiches Verhältnis von gefolgten zu eigenen Followern, ein Name aus Buchstaben und Ziffern. Das sind Anzeichen und keine Beweise, und jedes Werkzeug gewichtet sie anders. Genau daher kommt der Unterschied zwischen zwei Ergebnissen für dasselbe Konto.
- Die Stichprobe ist nicht zufällig. Sie besteht aus dem, was sich abrufen lässt, und das sind bevorzugt neuere Follower. Wenn Ihr Zustrom sich verändert hat, misst das Werkzeug die letzte Phase und nicht Ihr Publikum.
- Inaktivität ist von außen nicht sichtbar. Ob jemand die App noch öffnet, steht nirgends. Ein Werkzeug kann höchstens sehen, wann zuletzt etwas veröffentlicht wurde, und die meisten Menschen veröffentlichen nichts und lesen trotzdem. Damit fällt genau die größte Gruppe durch das Raster.
Praktisch heißt das: Eine Prozentzahl aus einem solchen Werkzeug ist eine Größenordnung, kein Messwert. Zwischen fünf und zwölf Prozent zu unterscheiden ist sinnlos, zwischen acht und vierzig Prozent nicht.
Zum kostenlosen Zugang, nach dem gesucht wird: Der prüft in aller Regel eine kleinere Stichprobe und nennt eine Zahl ohne die Konten dazu. Das ist für die Einordnung völlig ausreichend, weil Ihnen eine namentliche Liste ohnehin nichts nützt, solange es keine Sammelfunktion zum Entfernen gibt.
Und der Punkt, der bei jedem dieser Werkzeuge gilt: Solange es nur öffentliche Daten liest, braucht es Ihre Anmeldung nicht. Wenn es sie verlangt, ist das keine technische Notwendigkeit, sondern eine Entscheidung des Anbieters, und dann geben Sie für eine Schätzung den Zugang zu Ihrem Konto.
Die Schätzung, die Sie selbst machen können
Sie ist gröber und in einer Hinsicht besser: Sie misst die Wirkung statt der Ursache, und die Wirkung ist das, was Sie interessiert.
Öffnen Sie die Auswertung Ihrer letzten zehn Beiträge und sehen Sie sich für jeden an, wie viele Konten erreicht wurden, die Ihnen bereits folgen. Setzen Sie diese Zahl ins Verhältnis zu Ihrer Followerzahl.
Für ein Konto, das regelmäßig veröffentlicht, liegt dieser Anteil erfahrungsgemäß im mittleren zweistelligen Bereich. Deutlich darunter heißt, dass ein großer Teil Ihrer Follower gar nicht mehr erreicht wird, und der häufigste Grund dafür ist, dass sie nicht mehr da sind. Das ist Ihre Schätzung, sie braucht kein Werkzeug, und sie hat den Vorteil, dass sie sich über Monate vergleichen lässt.
Ein zweiter Blick daneben, der die Ursache eingrenzt: Wenn die Followerzahl steigt und diese Reichweite nicht mitsteigt, kommt der Zuwachs aus einer Quelle, die nichts beiträgt. Das ist der Zeitpunkt, an dem sich lohnt nachzusehen, welche Quelle das ist.
Woher sie kommen
Vier Quellen, und drei davon sind selbst verursacht.
- Gewinnspiele mit einem Preis, der nichts mit dem Konto zu tun hat. Die mit Abstand ergiebigste Quelle. Wer ein Mobiltelefon verlost, sammelt Leute, die Mobiltelefone wollen, und die bleiben nach der Ziehung als Zahl zurück.
- Gegenseitiges Folgen. Erzeugt Follower, die aus Pflicht folgen und danach nichts tun. Der Effekt ist derselbe wie bei gekauften Zahlen, nur dass zusätzlich eine Verpflichtung entsteht.
- Reaktionsgruppen. Konten, die sich gegenseitig kommentieren. Für die Verteilung ist die Gleichförmigkeit erkennbar, und für einen Besucher ist sie es auch.
- Zeit. Die einzige Quelle, an der Sie nichts ändern können. Jedes Konto verliert kontinuierlich Follower an Leute, die aufhören, und je älter ein Konto ist, desto größer ist dieser Anteil.
Der vierte Punkt ist der Grund, warum ein zehn Jahre altes Konto mit fünftausend Followern oft eine schlechtere Reaktionsquote hat als ein zwei Jahre altes mit tausend. Das ist kein Fehler und kein Anlass zum Aufräumen, sondern Alterung.
Was daraus folgt
Zwei Sätze, die den größten Teil dieser Seite ersetzen.
Erstens: Eine Prüfung sagt Ihnen die Größenordnung und nicht mehr, und wenn zwei Werkzeuge weit auseinanderliegen, liegt das an ihrer Gewichtung und nicht daran, dass eines recht hat.
Zweitens: Was mit den gefundenen Konten anzufangen ist, hängt an einer Sache, die viele überrascht, nämlich daran, dass entfernte Konten auf einem öffentlichen Profil zurückkommen können. Was das für ein Aufräumen bedeutet, steht im Beitrag zum Entfernen von Followern.



