Follower entfernen: was dabei sichtbar wird und was sich nicht rückgängig machen lässt
Sechs von zehn deutschen Suchvorschlägen zum Entfernen von Followern fragen nach den Folgen. Hier die Antworten, samt der einen, die entscheidet, ob sich das Aufräumen überhaupt lohnt.
Avery BennettDie deutschen Suchvorschläge zum Entfernen von Followern fragen fast ausnahmslos dasselbe: Merkt der andere es, ist es sichtbar, was passiert dann, lässt es sich rückgängig machen. Niemand fragt, ob es eine gute Idee ist.
Also erst die Folgen, dann die Frage, ob es sich lohnt, denn eine der Antworten dreht diese Frage um.
Der Vorgang, und was dabei passiert
Ihre Followerliste öffnen, neben dem Konto auf die Option zum Entfernen tippen, bestätigen. Das ist alles.
Was dabei geschieht:
- Keine Benachrichtigung. Instagram schickt nichts. Die andere Seite bekommt keinen Hinweis, keine Meldung und keinen Eintrag irgendwo.
- Nicht sichtbar, außer beim Nachsehen. Die einzige Art, wie es auffällt, ist, dass die Person Ihr Profil öffnet und der Folgen-Knopf wieder unbetätigt aussieht. Bei einem Konto, dem jemand unter hunderten folgt, passiert das praktisch nie. Bei einer einzelnen Person aus dem Bekanntenkreis passiert es sehr wohl.
- Beiträge werden nicht mehr im Feed ausgespielt. Die Person sieht Sie nur noch, wenn sie Ihr Profil aufruft, und bei einem privaten Konto auch das nicht mehr.
- Von Ihrer Seite nicht rückgängig zu machen. Es gibt keine Möglichkeit, jemanden wieder zum Follower zu machen. Wenn Sie sich vertippen, müssen Sie die Person bitten, erneut zu folgen.
Die Antwort, die alles andere ändert
Und jetzt der Punkt, den fast keine Anleitung nennt, obwohl er über den Sinn der ganzen Übung entscheidet.
Auf einem öffentlichen Konto kann die entfernte Person sofort wieder folgen. Das Entfernen ist keine Sperre. Es löst nur die bestehende Verbindung und hindert niemanden daran, den Knopf ein zweites Mal zu drücken.
Bei einem einzelnen unerwünschten Menschen ist das ein überschaubares Problem. Bei automatisierten Konten ist es das entscheidende: Genau die Konten, die Sie loswerden wollen, sind auch die, die programmgesteuert wieder folgen. Ein Nachmittag Aufräumen kann damit innerhalb von Tagen zunichte sein.
Daraus folgen die einzigen beiden Wege, die dauerhaft wirken:
- Blockieren statt entfernen, wenn es um einzelne Konten geht, die nicht zurückkommen sollen. Blockieren entfernt die Verbindung und verhindert das erneute Folgen.
- Das Konto privat stellen, wenn es um viele geht. Danach braucht jeder neue Follower Ihre Zustimmung, und der Zustrom hört auf. Was das an Sichtbarkeit kostet, ist erheblich, und der Zusammenhang steht im Beitrag zur Instagram-Reichweite.
Entfernen oder blockieren
Ein eigener Suchvorschlag, und die Wahl hängt an einer einzigen Frage: Soll die Person es merken dürfen?
Entfernen ist unauffällig und nicht dauerhaft. Es passt für Karteileichen, für alte Bekanntschaften und für alles, wo kein Konflikt besteht.
Blockieren ist dauerhaft und auffällig. Ihr Profil verschwindet für die betreffende Person vollständig, Ihre bisherigen Kommentare unter fremden Beiträgen sind für sie nicht mehr sichtbar, und ein aufmerksamer Mensch merkt das innerhalb von Tagen. Es passt für alles, was aufhören muss.
Der Zwischenweg für den unangenehmen Fall, in dem beides nicht passt, heißt Einschränken. Was er tut und was nicht, steht im Beitrag zu den Privatsphäre-Einstellungen.
Warum es nicht schneller geht
„App“ und „schnell“ stehen beide in der Liste, also die klare Auskunft: Instagram hat keine Sammelfunktion zum Entfernen von Followern. Es gibt keinen Weg, hundert Konten auf einmal zu markieren. Jedes wird einzeln angetippt und einzeln bestätigt.
Was stattdessen angeboten wird, sind Anwendungen, die das übernehmen sollen, und dabei gibt es genau zwei Bauarten. Die eine verlangt Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort und meldet sich als Sie an. Damit hängt Ihr Konto an fremder Infrastruktur, und zusätzlich sieht eine Folge von hunderten gleichartigen Handlungen in wenigen Minuten für Instagram nach Automatisierung aus, was zu einer vorübergehenden Sperre von Handlungen führen kann. Die andere Bauart arbeitet über die offizielle Schnittstelle, und diese Schnittstelle enthält keine Funktion zum Entfernen von Followern, das heißt: Was diese Anwendungen anbieten können, ist Auswertung und nicht Entfernung.
Wenn Sie es trotzdem von Hand machen: nicht mehr als einige Dutzend an einem Tag, mit Pausen dazwischen. Das ist kein Aberglaube, sondern folgt aus demselben Grund wie oben.
Der Nebenfall, der ständig verwechselt wird
„Follower entfernen, die mir nicht folgen“ ist ein eigener Suchvorschlag und beschreibt eine völlig andere Handlung, nämlich das eigene Entfolgen. Die deutsche Formulierung verwischt das.
Zur Klarstellung: Wem Sie folgen, steht in Ihrer Folge-Liste, und dort entfolgen Sie. Wer Ihnen folgt, steht in der Followerliste, und dort entfernen Sie. Beides hat unterschiedliche Wirkungen und wird von Instagram unterschiedlich behandelt. Zum Entfolgen gibt es ebenfalls keine Sammelfunktion, und für die Anwendungen, die es anbieten, gilt derselbe Absatz wie oben.
Lohnt sich das Aufräumen?
Ehrliche Abwägung, weil die Antwort nicht durchweg ja lautet.
Dafür spricht die Reaktionsquote, also das Verhältnis von Reaktionen zur Größe des Publikums. Sie ist die Zahl, auf die Marken vor einer Zusammenarbeit sehen, und sie verbessert sich rechnerisch sofort, wenn tote Konten verschwinden. Wer konkret auf eine Zusammenarbeit hinarbeitet, hat hier einen greifbaren Grund.
Dagegen spricht der Aufwand im Verhältnis zur Wirkung. Zweihundert entfernte Konten bei zwanzigtausend Followern verschieben nichts Messbares und kosten einen Nachmittag. Und wenn das Konto öffentlich ist, kommt ein Teil zurück.
Die brauchbare Faustregel: Aufräumen lohnt sich, wenn ein größerer Anteil Ihres Publikums tot ist, und nicht, wenn eine große absolute Zahl tot ist. Wie sich dieser Anteil schätzen lässt und warum die dafür angebotenen Prüfwerkzeuge unterschiedliche Zahlen liefern, steht im Beitrag zu Ghost Followern.
Und der Punkt, der langfristig mehr bringt als jedes Aufräumen: Die häufigste Quelle toter Follower ist ein Gewinnspiel mit einem Preis, der nichts mit dem Konto zu tun hat. Wer den Preis an das eigene Thema bindet, bekommt weniger Teilnehmer und behält davon mehr.



