Geld verdienen auf Instagram: die gesuchte Tabelle gibt es nicht, und warum
Sechs von zehn deutschen Suchvorschlägen gehen davon aus, dass Instagram pro Aufruf, pro Klick oder pro Bild zahlt. Was tatsächlich ausgezahlt wird und was nicht.
Avery BennettDer meistgesuchte Zusatz zu „Instagram Geld verdienen“ ist auf Deutsch „Tabelle“. Danach folgen „pro Klick“, „Aufrufe“, „Klicks“, „pro Bild“ und „durch Likes“. Sechs von zehn Vorschlägen gehen also davon aus, dass es einen Tarif gibt und man ihn nur nachschlagen muss.
Diesen Tarif gibt es nicht, und der Grund dafür ist konkreter als „das kommt darauf an“.
Instagram zahlt hier nicht pro Aufruf
Der Vergleich, der die Erwartung erzeugt, ist YouTube. Dort läuft Werbung vor und in einem Video, ein Teil der Einnahmen daraus geht an den Kanal, und daraus ergibt sich ein Betrag pro tausend Aufrufen, den man tatsächlich nachschlagen kann.
Bei Instagram gibt es diese Kopplung im deutschsprachigen Raum nicht. Meta hat solche Programme mehrfach getestet, wieder eingeschränkt und teils eingestellt. Stand Ende August 2026 ist in Deutschland kein allgemein verfügbares Programm in Kraft, bei dem Sie Reels oder Bilder veröffentlichen und danach anhand der Aufrufe von Meta bezahlt werden. Wenn ein Programm dieser Art wieder anläuft, geschieht das erfahrungsgemäß zuerst in anderen Märkten.
Daraus folgt für die vier meistgesuchten Größen:
- Pro Aufruf: null. Kein Programm, keine Auszahlung.
- Pro Klick: null von Instagram. Etwas kann dabei herauskommen, wenn der Klick auf einen Partnerlink geht, aber dann zahlt der Händler und nicht die Plattform.
- Pro Bild: null. Was pro Bild bezahlt wird, zahlt eine Marke, und das ist eine Verhandlung und kein Tarif.
- Durch Likes: null, und hier gibt es nicht einmal einen Mechanismus, der das könnte.
Die Zahlen, die trotzdem überall zirkulieren, stammen aus Umfragen unter Werbetreibenden darüber, was sie für einen bezahlten Beitrag zahlen. Das ist eine nützliche Information, aber es ist eine Preisstatistik über einen Markt und keine Vergütungstabelle einer Plattform. Wer sie als Tarif liest, plant mit einer Einnahme, die niemand schuldet.
Was Instagram tatsächlich auszahlt
Zwei Wege, bei denen Geld über die Plattform selbst fließt. Beide hängen an Bedingungen, und beide sind der Größenordnung nach etwas anderes als ein Gehalt.
- Geschenke. Zuschauer kaufen eine virtuelle Währung und senden sie unter einem Reel. Instagram rechnet das in Guthaben um, das ausgezahlt werden kann. Die genannten Voraussetzungen sind ein professionelles Konto, ein Mindestalter von achtzehn Jahren und mindestens fünftausend Follower.
- Abonnements. Ihre Follower zahlen monatlich und bekommen dafür Inhalte, die andere nicht sehen, etwa eigene Live-Übertragungen oder einen geschlossenen Kanal. Das rechnet sich erst, wenn es etwas gibt, das ein Teil Ihrer Leute wirklich vermissen würde.
Ob beides in Ihrem Konto vorhanden ist, sagt Ihnen keine Liste im Netz zuverlässig, weil die Verfügbarkeit sich nach Land und Konto unterscheidet und sich ändert. Sehen Sie im professionellen Bereich Ihres eigenen Kontos nach, dort steht, was freigeschaltet ist.
Die drei Wege, bei denen das Geld von woanders kommt
Und damit die Wege, über die im deutschsprachigen Raum tatsächlich verdient wird. Alle drei haben gemeinsam, dass Instagram nur die Vermittlung ist.
Kooperationen. Eine Marke bezahlt für einen Beitrag. Das ist der mit Abstand größte Posten und die Antwort auf die meisten „Tabelle“-Suchen. Wie ein solcher Auftrag zustande kommt, was er bringt und was dabei zwingend gekennzeichnet werden muss, steht im Beitrag zu Kooperationen.
Eigene Ware oder eigene Leistung. Der unspektakulärste und für die meisten kleineren Konten der ergiebigste Weg, weil er keine Schwelle hat. Zweihundert Leute, die Ihnen zutrauen, ein gutes Regal zu bauen, sind mehr wert als zwanzigtausend, die ein Video nett fanden. Was dabei technisch und rechtlich zu beachten ist, steht im Beitrag zum Verkaufen ohne eigene Website.
Partnerlinks. Sie empfehlen etwas, der Händler zahlt eine Provision auf Verkäufe über Ihren Link. Ohne Website ist das auf Instagram allerdings mühsam, weil ein Link nur in der Biografie und in der Story antippbar ist und in der Bildunterschrift nicht. Und Kennzeichnungspflichten greifen hier ebenso wie bei einer bezahlten Kooperation.
„Ohne Werbung“: die Frage hinter der Frage
Dieser Vorschlag steht auffällig weit oben und meint zweierlei. Manche wollen keine bezahlte Anzeige schalten. Andere wollen ihr Konto nicht mit Produktbeiträgen füllen.
Für die erste Lesart: Nein, Sie müssen nichts bezahlen, um zu verdienen. Bezahlte Anzeigen sind ein Verstärker für ein Angebot, das bereits funktioniert, und nicht die Voraussetzung dafür.
Für die zweite: Alle drei Wege oben lassen sich ohne Produktbeiträge betreiben, wenn Sie das, was Sie ohnehin machen, selbst verkaufen. Das ist der Grund, warum kleine Konten mit einer eigenen Leistung oft früher etwas verdienen als größere ohne. Es ist zugleich der Weg, der die meiste Arbeit außerhalb von Instagram bedeutet.
Die Zahl, die statt der Tabelle zählt
Wenn es keinen Tarif gibt, brauchen Sie eine eigene Kennzahl. Die brauchbarste ist unangenehm einfach: Wie viele Menschen würden Ihnen zwanzig Euro geben, ohne lange nachzudenken?
Diese Zahl lässt sich schätzen und sie sagt mehr über Ihre Einnahmen aus als die Followerzahl. Ein Konto mit tausend Followern, von denen dreißig das täten, verdient verlässlicher als eines mit fünfzigtausend, von denen es niemand täte. Marken rechnen im Kern genauso, sie nennen es nur anders und sehen dafür auf die Reaktionsquote.
Der praktische Schluss daraus: Bevor Sie an Auszahlungswege denken, klären Sie, was Sie überhaupt anbieten. Alles Weitere ist Abrechnung. Wie ein Konto so weit kommt, dass diese Frage sich stellt, steht im Beitrag zur Instagram-Reichweite.



