Apple-ID: die Zwei-Faktor-Anmeldung ist die Frage nicht, die alte Telefonnummer schon
Sieben von zehn deutschen Suchvorschlägen drehen sich um eine Vertrauensnummer, die es nicht mehr gibt. Vier weitere suchen Sicherheitsfragen, die es auf modernen Konten gar nicht gibt. Beides hier geklärt.
Avery BennettWer auf Deutsch nach Apple-ID und Zwei-Faktor sucht, fragt fast nie, ob er sie einschalten soll. Sieben von zehn Vorschlägen lauten sinngemäß: Die hinterlegte Nummer ist weg. Nicht verfügbar, nicht mehr vorhanden, vergessen, alt, ohne iPhone.
Das ist die richtige Frage, denn die andere ist längst entschieden. Apple hält ausdrücklich fest: Wurde ein Konto mit Zwei-Faktor-Authentifizierung angelegt, lässt sich dieser Schutz nicht mehr entfernen. Nur wer sie selbst kürzlich eingeschaltet hat, kann sie innerhalb von zwei Wochen nach der Aktivierung wieder herabstufen. Für die allermeisten heutigen Konten heißt das: Sie ist an, sie bleibt an, und die eigentliche Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass Sie erreichbar bleiben.
Warum die Sicherheitsfragen nicht zurückzusetzen sind
Bevor es weitergeht, die zweite große deutsche Suchgruppe, denn sie beruht auf einem Missverständnis. Vier der zehn Vorschläge unter „apple id sicherheit“ drehen sich um Sicherheitsfragen, einer davon lautet ausdrücklich „können nicht zurückgesetzt werden“.
Der Grund dafür ist einfach: Auf einem Konto mit Zwei-Faktor-Authentifizierung gibt es keine Sicherheitsfragen. Sie gehören zur älteren Absicherung ohne zweiten Faktor. Wer sie in den Einstellungen sucht und nicht findet, hat nichts falsch gemacht, sondern ein modernes Konto. Und wer bei einer Wiederherstellung darauf hofft, hofft auf etwas, das an dieser Stelle nicht existiert.
Das ist übrigens eine Verbesserung, auch wenn es sich nicht so anfühlt: Sicherheitsfragen waren immer die schwächste Stelle, weil ihre Antworten häufig öffentlich bekannt oder erratbar sind.
Die Nummer ist weg: die Reihenfolge
Entscheidend ist, in welcher der drei Lagen Sie stecken, denn sie führen zu ganz unterschiedlichem Aufwand.
Lage eins: Sie sind noch auf einem Gerät angemeldet. Das ist der gute Fall, und viele erkennen ihn nicht als solchen. Solange irgendein iPhone, iPad oder Mac noch mit dem Konto angemeldet ist, können Sie die Vertrauensnummer dort einfach ändern, ohne die alte zu besitzen. Tun Sie das sofort, nicht demnächst. Und tragen Sie gleich eine zweite Nummer ein, etwa die eines Familienmitglieds; es sind mehrere erlaubt, und das ist die billigste Vorsorge, die es hier gibt.
Lage zwei: Sie sind nirgends mehr angemeldet, haben aber einen Wiederherstellungsschlüssel oder eine Wiederherstellungsperson. Dann gehen Sie über diese. Eine Wiederherstellungsperson kann einen sechsstelligen Code beschaffen, mit dem Sie zurückkommen. Apple hält ausdrücklich fest, dass die vollständige Wiederherstellung ohne eine solche Person länger dauert.
Lage drei: nichts davon. Dann bleibt die Kontowiederherstellung, und dazu gehört der nächste Abschnitt, weil dort der teuerste Fehler lauert.
Kontowiederherstellung, und wie man sie versehentlich abbricht
Zur Dauer sagt Apple selbst: Es können mehrere Tage oder länger vergehen, bevor Sie das Passwort zurücksetzen können. Eine Bestätigungsmail kommt innerhalb von 72 Stunden und nennt den Zeitpunkt, zu dem der Zugang wieder möglich ist. Es gibt keine Möglichkeit, das zu beschleunigen, und niemanden, den man dafür anrufen kann.
Und jetzt der Punkt, der die meisten Wiederherstellungen unnötig verlängert. Apple schreibt es klar: Wird das Konto während des laufenden Antrags benutzt, wird die Wiederherstellung automatisch abgebrochen.
Das ist im Alltag eine Falle, weil „benutzt“ nicht heißt, dass Sie sich bewusst anmelden. Ein altes iPad in der Schublade, das nachts synchronisiert, ein Mac, der noch angemeldet ist, ein Familiengerät: All das kann den Antrag zurücksetzen, und Sie merken es erst, wenn der genannte Termin verstreicht. Melden Sie deshalb vor dem Antrag jedes Gerät ab, außer dem einen, von dem aus Sie den Antrag stellen.
Die gute Seite derselben Regel: Wenn Ihnen zwischendurch einfällt, wie Sie doch hineinkommen, und die Anmeldung gelingt, entfällt die Wartezeit sofort und Sie können das Konto sogleich weiter benutzen. Ein laufender Antrag schadet also nicht, er hilft nur nicht, solange Sie nebenher probieren.
„Sicherheitsverzögerung“: eine Stunde, und sie ist Absicht
Auch dieser Vorschlag hat eine eindeutige Erklärung. Apple weist darauf hin, dass Sie unter Umständen eine Stunde warten müssen, bevor Sie das Passwort oder andere kritische Sicherheitseinstellungen ändern können.
Diese Verzögerung ist eine Schutzfunktion gegen den Fall, dass jemand mit Gerät und Gerätecode in der Hand das Konto sofort übernimmt. Sie greift an Orten, die nicht als vertraut gelten, also gerade unterwegs, und sie lässt sich nicht überspringen. Wer eine Stunde eingeplant hat, empfindet sie als lästig. Wer sie nicht kennt, hält sie für einen Fehler und probiert es zehnmal.
Praktische Folgerung: Kritische Änderungen an der Apple-ID erledigen Sie zu Hause, nicht im Zug vor einer Reise.
Der Wiederherstellungsschlüssel und seine Kehrseite
„verloren“ ist der erste deutsche Vorschlag dazu, und das ist bezeichnend. Ein Wiederherstellungsschlüssel ist eine mächtige Absicherung mit einer harten Bedingung: Wenn Sie ihn einschalten, wird er zum notwendigen Bestandteil der Wiederherstellung. Ohne ihn und ohne Zugriff auf ein vertrauenswürdiges Gerät ist der Weg zurück zu.
Das ist kein Argument dagegen, aber ein Argument dafür, ihn nur bewusst zu aktivieren. Wenn Sie es tun: auf Papier, an zwei verschiedenen Orten, nicht im Passwortmanager auf demselben Gerät und nicht als Foto in derselben Fotomediathek, die an demselben Konto hängt. Der häufigste Verlustfall ist genau dieser Kreisschluss.
Für die meisten Privatanwender ist eine Wiederherstellungsperson die bessere Wahl: derselbe Nutzen, kein Zettel, der verloren gehen kann, und ein Mensch, den man anrufen kann.
Wenn ein Konto den Besitzer wechselt
Hier zeigt der Markt sehr deutlich, was an dieser Plattform wirklich zählt. Auf unserem Regal mit 161 aktiven Apple-Angeboten liegt die Angabe zur Zwei-Faktor-Anmeldung beim 0,4-fachen des mittleren Preises, also deutlich darunter. Auf jedem anderen von uns gemessenen Regal liegt dieselbe Angabe beim Mittel oder darüber.
Der Grund ist genau das, was oben steht: Ein Konto mit gebundener Zwei-Faktor-Anmeldung ist schwerer zu übergeben, weil der zweite Faktor an einer fremden Nummer oder an einem fremden Gerät hängt. Was hier stattdessen bezahlt wird, ist der Zugang zum Postfach: Ein mitgeliefertes Postfach steht auf 54 Angeboten und liegt beim 2,4-fachen, ein gemietetes Postfach auf 15 Angeboten ebenfalls beim 2,4-fachen.
Das ist eine ungewöhnlich klare Marktaussage, und sie deckt sich mit der Mechanik: Bei Apple ist das Postfach der Wiederherstellungsweg. Ohne Zugriff darauf können Sie weder zurücksetzen noch bestätigen noch die Vertrauensnummer tauschen.
Deshalb die Reihenfolge bei einer Übernahme, und die ersten beiden Schritte gehören in das Garantiefenster, das ab der Lieferung läuft und dessen Länge im Angebot steht:
- Postfach prüfen, bevor irgendetwas anderes passiert. Können Sie dort Mail empfangen? Wenn nein, ist alles Weitere sinnlos, und das ist der Reklamationsgrund.
- Vertrauensnummer auf Ihre eigene ändern, solange die Anmeldung besteht. Danach eine zweite eintragen.
- Erst dann das Passwort ändern. Und rechnen Sie mit der Stundenverzögerung, wenn Sie das nicht von einem vertrauten Ort aus tun.
- Fremde Geräte in der Geräteliste entfernen.
Übersichten stehen unter Apple-ID-Konten. Wie ein Code aus einer Authenticator-App entsteht und warum eine falsch gestellte Uhr ihn unbrauchbar macht, steht im Beitrag zum TOTP-Generator; die allgemeine Reihenfolge in der ersten Stunde nach einer Lieferung im Beitrag zur Kontosicherheit.


