Die deutsche Vergleichsfrage lautet nicht Gmail oder Outlook, sondern GMX oder web.de
Auf Deutsch wird nicht gefragt, ob Gmail oder Outlook. Gefragt wird, ob GMX oder web.de besser ist, und wer diese Anbieter überhaupt sind. Es gibt genau eine Eigenschaft, die die Regale sauber trennt, und sie steht in keiner Werbung.
Avery BennettWer auf Deutsch nach E-Mail-Anbietern sucht, stellt eine andere Frage als die englischsprachigen Vergleichsartikel beantworten. Die Vorschläge sind eindeutig: gmx oder web.de, was ist besser.
Daneben steht eine ganze Reihe von Fragen danach, wer diese Anbieter eigentlich sind: welcher Mailanbieter ist GMX, welcher ist web.de, welcher ist strato. Und die Auswahlfragen selbst lauten: der beste, der sicherste, der kostenlose, der mit dem meisten Speicherplatz.
Zwei Dinge fallen dabei auf. Gmail und Outlook tauchen in dieser Fragestellung kaum auf. Und die beiden Anbieter, um die es tatsächlich geht, stehen in keiner Überschrift dieser Art von Artikel.
Also der Reihe nach, und mit gezählten Zahlen statt Eindrücken.
Die eine Eigenschaft, die die Regale wirklich trennt
Es gibt genau ein Merkmal, bei dem die Anbieter nicht ein bisschen, sondern grundsätzlich auseinanderliegen: ob ein E-Mail-Programm überhaupt an das Postfach darf.
Der Anteil der Angebote, die Protokollzugang ausdrücklich nennen:
- web.de: 15 von 16, also 94 Prozent
- t-online: 15 von 17, also 88 Prozent
- GMX: 142 von 166, also 86 Prozent
- Outlook: 126 von 383, also 33 Prozent
- Hotmail: 102 von 346, also 29 Prozent
- Gmail: 186 von 1.594, also 12 Prozent
- Onet.pl: 1 von 73, also ein Prozent
Das ist kein feiner Unterschied, das sind zwei verschiedene Welten. Bei den deutschen Anbietern ist der Zugang der Normalfall, bei Gmail die Ausnahme.
Und der Preis bestätigt es. Bei GMX und web.de kostet dieses Merkmal nichts, der Median dieser Angebote liegt bei 0,94 des jeweiligen Regals, also leicht darunter. Bei Gmail liegt er beim 3,33-fachen. Was hier serienmäßig dabei ist, ist dort ein teurer Sonderwunsch.
Wenn Sie ein Postfach in einem Programm abrufen wollen, ist das die Zahl, nach der Sie sich richten. Alles andere in diesem Text ist nachrangig.
Die Preisniveaus liegen weiter auseinander als erwartet
Median je Regal, gezählt am selben Tag:
- Gmail: 1,80
- web.de: 0,587
- GMX: 0,265
- Onet.pl: 0,12
- Hotmail: 0,09
- t-online: 0,06
- Outlook: 0,0582
Zwischen Gmail und Outlook liegt rund das Einunddreissigfache. Das ist keine Qualitätsaussage, sondern eine Marktaussage: für dasselbe Format Postfach verlangen die beiden Regale völlig unterschiedliche Beträge.
Bemerkenswert ist die Mittellage der deutschen Anbieter. GMX und web.de sind deutlich teurer als die Microsoft-Regale und deutlich billiger als Gmail, und sie liefern dabei genau das mit, wofür Gmail den Aufschlag verlangt.
Die Anmeldung, und warum die Regale hier unvergleichbar sind
Hier hört die Vergleichbarkeit auf, weil die Anbieter unterschiedliche Wege gewählt haben.
Auf den Microsoft-Regalen trägt jedes zweite bis dritte Angebot einen Autorisierungs-Tag: 186 von 383 bei Outlook, 204 von 346 bei Hotmail. Auf dem Gmail-Regal trägt ihn ein einziges Angebot, dafür nennen dort 334 ein App-Passwort.
Eine Zahl auf dem Outlook-Regal verdient dabei eine Warnung, weil sie leicht falsch verstanden wird. Die 27 Angebote mit Zwei-Faktor-Tag haben einen Median von 3,75, während das Regal insgesamt bei 0,0582 liegt. Rechnerisch ist das das Vielfache, tatsächlich heisst es nur: das sind gar keine Angebote derselben Art. Innerhalb dieser 27 reicht die Spanne von 0,10 bis 9,45. Wer auf diesem Regal ein Konto mit gesetzter zweiter Stufe sucht, kauft ein anderes Produkt und zahlt einen anderen Preis.
Wie tief die Regale sind
Das entscheidet, ob Sie überhaupt eine Wahl haben.
Gmail steht mit 183 Anbietern breit da, der grösste hält nur zwölf Prozent. Outlook und Hotmail haben je 41 Anbieter. Onet.pl hat 73 Angebote von immerhin 38 Anbietern.
Bei den deutschen Anbietern wird es dünn. GMX: 166 Angebote, aber nur 17 Anbieter, der grösste mit 29 Prozent. web.de: 16 Angebote von 7 Anbietern. t-online: 17 Angebote von 7 Anbietern, der grösste mit 53 Prozent.
Bei t-online hängt also über die Hälfte des Regals an einem einzigen Anbieter. Wer dort etwas Bestimmtes sucht, hat praktisch keine Auswahl, und die Frage nach dem besten Anbieter erübrigt sich, wenn es nur einen gibt.
Die Garantie, und wo sie am kürzesten ist
Alle Regale liegen im Median bei zwölf Stunden. Interessant ist wieder das untere Ende.
Unter einer Stunde räumen ein: t-online 12 Prozent, web.de 13, GMX 14, Hotmail 17, Outlook 18, Gmail 19. Und Onet.pl 34 Prozent, also jedes dritte Angebot.
Damit ist das Onet-Regal nicht nur das mit dem geringsten Protokollzugang, sondern auch das mit der kürzesten Prüfzeit. Beides zusammen ist der Grund, dieses Regal nur mit einem klaren Zweck zu betreten.
Was diese Zahlen nicht beantworten
Zwei der häufigsten deutschen Vorschläge lauten der sicherste und, beim Vergleich, Datenschutz. Dazu eine klare Auskunft: das kann dieser Text nicht beantworten.
Ein Regal zeigt, was Verkäufer anbieten und was Käufer bezahlen. Es zeigt nicht, wie ein Anbieter mit Daten umgeht, wo er sie speichert oder welchem Recht er unterliegt. Wer nach diesen Kriterien auswählt, findet die Antwort bei den Anbietern selbst und nicht in einer Preisstatistik. Eine erfundene Antwort wäre hier schlimmer als gar keine.
In je einem Satz
- GMX ist der vernünftige Mittelweg: Protokollzugang bei 86 Prozent der Angebote ohne Aufschlag, 166 Angebote, Median 0,265.
- web.de ist dasselbe in kleiner und teurer: 94 Prozent Zugang, aber nur 16 Angebote von 7 Anbietern.
- t-online nur, wenn es genau diese Adresse sein muss: 17 Angebote, über die Hälfte bei einem Anbieter.
- Outlook ist das billigste Regal überhaupt, mit Autorisierung als Normalfall und Protokollzugang bei einem Drittel.
- Gmail ist das tiefste und das teuerste Regal, und Protokollzugang ist dort die teure Ausnahme.
- Onet.pl nur mit klarem Zweck: ein Angebot mit Protokollzugang, und jedes dritte mit weniger als einer Stunde Garantie.
Die Regale finden Sie unter E-Mail-Konten.
