Wer "Wegwerf-Mail mit Postfach und Passwort" sucht, sucht keine Wegwerf-Mail mehr
Die deutschen Suchvorschläge verlangen von Wegwerfadressen vier Dinge, die sie nicht können: ein Postfach, ein Passwort, Versand und Seriosität. Wo die Grenze verläuft, und warum die Angabe "Long-Term Access" auf diesem Regal ausgerechnet die günstigste ist.
Avery BennettDie Vorschläge zu wegwerf email und temporäre email sind ungewöhnlich aufschlussreich, weil sie fast durchgehend nach Eigenschaften fragen, die eine Wegwerfadresse gerade nicht hat. Vier davon stehen dort ausdrücklich:
mit Postfach, mit Passwort, zum Versenden, seriös.
Ein klassischer Wegwerfdienst zeigt einen offenen Posteingang, den jeder ohne Anmeldung sehen kann, und verschicken lässt sich damit in aller Regel nichts. Wer also nach einem Postfach mit Passwort sucht, das auch senden kann und dabei seriös wirkt, sucht bereits etwas anderes. Dieser Text handelt von der Grenze dazwischen.
Was eine Wegwerfadresse kann und was nicht
Sie ist gut in genau einer Sache: eine einzelne Nachricht empfangen, meist einen Bestätigungscode, ohne dass Sie irgendwo ein Konto anlegen. Dafür ist sie gebaut und dafür ist sie unschlagbar bequem.
Die vier gesuchten Eigenschaften scheitern an dieser Bauweise:
- Kein Passwort heißt auch: kein Schutz. Wer die Adresse kennt, sieht den Posteingang. Für einen Code, der in zwei Minuten verbraucht ist, spielt das keine Rolle. Für alles, was später noch einmal gebraucht wird, schon.
- Kein Versand. Antworten ist nicht vorgesehen. Sobald ein Dienst eine Antwort von Ihnen erwartet, endet die Nutzbarkeit.
- Keine Dauer. Die Adresse verfällt, und mit ihr jede Möglichkeit, ein Passwort zurückzusetzen, das an sie gebunden ist.
- Bekannte Domains. "Seriös" ist der Punkt, an dem viele scheitern: die Domains der bekannten Wegwerfdienste stehen bei vielen Anbietern auf Sperrlisten, und die Registrierung wird schlicht abgelehnt.
Die praktische Trennlinie ist deshalb nicht Wegwerf gegen dauerhaft, sondern: brauchen Sie die Adresse nach dem Code noch einmal? Lautet die Antwort ja, ist eine Wegwerfadresse die falsche Wahl, ganz gleich wie bequem sie ist.
Fünf von sechs Angeboten sagen nichts zur Dauer
Damit zum Regal, und das erste Ergebnis ist unbequem.
Von 4.370 live stehenden E-Mail-Angeboten trägt nur etwa ein Sechstel überhaupt eine Angabe zur Zugangsdauer: 446 sind als "Long-Term Access" ausgewiesen, 276 als "Rental Mailbox". Der Rest schweigt dazu. Im Beschreibungstext sieht es ähnlich aus: 234 Angebote nennen ein Stundenfenster, 163 sagen dauerhaft oder lebenslang, 61 nennen Minuten.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Die Dauer ist meistens nicht angegeben und muss erfragt werden. Es ist eine Frage, die sich in einer Zeile beantworten lässt, und sie ist wichtiger als die meisten Fragen, die stattdessen gestellt werden.
Die Angabe "Long-Term Access" sagt nichts über Qualität
Und hier wird es interessant, weil die Preise das Gegenteil dessen zeigen, was man erwartet.
Setzt man den Median des E-Mail-Regals als 1, dann liegt die Tag "Long-Term Access" bei 0,09x. Das ist der günstigste Wert auf diesem Regal, etwa ein Elftel des Medians. "Rental Mailbox" liegt bei 0,20x, also ebenfalls tief.
Am oberen Ende steht etwas ganz anderes: "Manual Reg" bei 4,75x, also fast dem Fünffachen. Handregistrierung ist das Merkmal, für das auf diesem Regal tatsächlich bezahlt wird, nicht die Dauerhaftigkeit.
Warum das so ist, wird hier nicht behauptet. Berichtet wird die Messung, und die praktische Folge daraus: lesen Sie "Long-Term Access" als eine Beschreibung, nicht als ein Gütesiegel. Wer Qualität am Preis ablesen will, findet das Signal an einer anderen Stelle.
Wenn Sie eine feste Adresse brauchen
- Fragen Sie nach der Dauer, wenn sie nicht dasteht. Das betrifft fünf von sechs Angeboten.
- Klären Sie, wer den Wiederherstellungsweg hält. Eine Adresse gehört Ihnen dauerhaft nur, wenn nicht jemand anderes das Passwort zurücksetzen kann. Das entscheidet mehr als jede Angabe zur Laufzeit.
- Prüfen Sie den Zugang über ein Programm. 1.133 Angebote tragen den IMAP-Tag. Ob er heute noch stimmt, sehen Sie in einer Minute, und es ist der beste Beleg dafür, dass es sich um ein echtes Postfach handelt.
- Sofort testen. Bei einem Postfach, das Sie behalten wollen, ist die erste halbe Stunde die einzige, in der ein Einwand noch etwas kostet: ein Zehntel der Angebote räumt weniger als diese halbe Stunde ein.
Was gerade angeboten wird, sehen Sie im E-Mail-Bereich. Ob ein Postfach wirklich eines ist, klärt der SMTP-Test in einer Minute.
